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FB49: Beschäftigungseffekte agrar- und regionalpolitischer Maßnahmen

FB 49
Auf dem Gebiet der Beschäftigungseffekte von Leistungsabgeltungen und Förderungen für die Land- und Forstwirtschaft gab es in Österreich und darüber hinaus bislang keine wissenschaftlich fundierten Untersuchungen. Der vorliegende Forschungsbericht betritt damit auf diesem Gebiet Neuland und schließt eine Lücke.

Das Ziel dieser Untersuchung war die Bewertung der Beschäftigungseffekte von ausgewählten Fördermaßnahmen bzw. der darin enthaltenen Untermaßnahmen. Im einzelnen waren dies:

* GAP-Ausgleichszahlungen und Prämien
* Agrarumweltmaßnahmen (ÖPUL 95/98)
* EU-Ausgleichszulage und Nationale Beihilfe
* Mittel für die Wildbach- und Lawinenverbauung
* forstliche Förderungen
* Förderungen des Güterwegebaues
* Investitionsförderungen und Sektorplanföderung
* Mutterschaftsbetriebshilfe (als sozialpolitische Maßnahme)

Diese entsprechen einem Anteil von nahezu 90% am Gesamtfördervolumen von rund 23,18 Mrd. öS (1999). Förderungen sind keine Lohnsubventionen, obgleich sie einen jeweils unterschiedlichen Einkommensbeitrag leisten. Sie sind betriebs- oder objektbezogen. Ihr Einwirken auf Betrieb und Arbeitsplätze erfolgt indirekt und ist von vielen Faktoren abhängig. Methodisch wurde der deskriptive Ansatz gewählt, der quantifizierende Abschätzungen mit einschließt. Die Förder- und Prämienkonzeption jeder Fördermaßnahme wurde analysiert und bewertet. Der Teilnahmekreis wurde abgeschätzt. Ein Beschäftigungseffekt wurde als geschaffener bzw. erhaltener („Beitrag zur Besitzfestigung“) Arbeitsplatz oder als Beitrag zum betrieblichen Einkommen definiert. Bei den GAP-Ausgleichszahlungen und Prämien, den Umweltprämien und der EU-Ausgleichszulage erfolgt eine Umlegung der betrieblichen Prämie auf den Arbeitskraftbesatz nach ausgewählten Schichtkriterien.

Ergebnisse:

Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) hat primär ein Produktivitäts- und Rationalisierungsziel. Unter letzteres fallen auch die landwirtschaftlichen Arbeitskräfte. Implizit kommt die Beschäftigungssicherung jedoch im Einkommensziel zum Ausdruck. Insofern ist die GAP doppeldeutig. Der Strukturwandel wird einerseits forciert aber andererseits flankierend d.h. sozial abgefedert. In ihrer praktischen Ausformung ist die GAP kein monolithes Ganzes. Sie umfasst sehr unterschiedliche Instrumentarien, zwischen denen zu differenzieren gilt.

Herausragend bezüglich ihrer positiven Wirkung auf Betriebe und Beschäftigte ist das Instrumentarium der Ausgleichszulage, sowie spezifischer Maßnahmen des Umweltprogrammes, weiters die Fördermaßnahme Wildbach- und Lawinenverbauung, sowie der Güterwegebau. Ähnlich positiv ist auch die Wirkung der investiven und forstlichen Maßnahmen. Bei diesen Förderungen ist die Beziehung zwischen Mitteleinsatz und positiver Wirkung für Betrieb und Beschäftigte transparent. Maßnahmen, die mit Mehrkosten oder/und arbeitswirtschaftlichem Mehraufwand verbunden sind, werden honoriert.

Marktprämien und Ausgleichszahlungen haben ein theoretisch hohes Potential, das jedoch durch deren Prämien- bzw. Verteilungskonzeption flächenstarke und intensiv wirtschaftende Betriebe bevorzugt. Dasselbe gilt auch für eine Anzahl von Maßnahmen innerhalb des Umweltprogrammes.

Als Beispiel für eine sozialpolitische Maßnahme wurde die Mutterschaftsbetriebshilfe untersucht. Diese wird, obgleich als (beschäftigungswirksame) Sachleistung konzipiert, derzeit praktisch zur Gänze als freies Transfereinkommen in Anspruch genommen.

Der Beschäftigungsaspekt ist eine neue Dimension in der Agrarpolitik. Wie richtungsweisend die Thematisierung von „Beschäftigungseffekten“ ist, geht auch dadurch hervor, dass die EU-Kommission in ihrem jüngsten midterm-review (2002) den Wechsel von Produkt- zu Produzentenunterstützung durch die Einführung eines entkoppelten Zahlungssystems pro Betrieb, unter Berücksichtigung der Arbeitskräfte, vorschlägt.

Forschungsbericht Nr. 49 der Bundesanstalt für Bergbauernfragen, Wien 2002 (387 Seiten)
€ 12,40

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FB49, BF73/98, FF30

weiterführende Literatur

  • Wiesinger Georg, Tamme Oliver, Egartner Sigrid (2018) Gute Konzepte am richtigen Ort? Soziale Landwirtschaft und Sozialkapital in ländlichen Regionen. Forschungsbericht Nr. 70. Wien. Jänner 2018. 185 Seiten. Bundesanstalt für Bergbauernfragen.

  • Wiesinger G., Tamme, O. Egartner S. (2018) Gute Konzepte am richtigen Ort? Soziale Landwirtschaft und Sozialkapital. Beitrag zum Grünen Bericht 2018. S. 106-107.

  • Tamme, Oliver und Schrems, Alois (2017) Förderung der sozialen Inklusion, der Armutsbekämpfung und der wirtschaftlichen Entwicklung in ländlichen Gebieten. Paket J/Verkehr, Mobilität, Breitbandinfrastruktur – VHA 7.2.1., 7.4.2. u d 7.3.1. Endbericht April 2017. Wien. 46 Seiten.

  • Tamme, Oliver (2017) Daseinsvorsorge: Weitgehend intakt. Aber … In: netzwerk zukunftsraum land. Ausgabe 2/17.

  • Tamme, Oliver (2015) Mobilität im ländlichen Raum. In: Ländlicher Raum – online-Zeitschrift des BMLFUW, 10 Seiten.

  • Tamme, Oliver (2015) Ländliche Mobilität in Österreich. Eine Bestandsaufnahme. Facts&Features Nr. 53. Wien. September 2015. 97 Seiten. Bundesanstalt für Bergbauernfragen.

  • Tamme, Oliver (2013): Klimawandel im österreichischen Berggebiet: Schwerpunkt Almen. Ursachen – Auswirkungen – Anpassungsmaßnahmen. In: Tagungsband „Die Almen im Spannungsfeld – Tagung der Nationalpark Akademie“, Mallnitz, 4.-5. April 2013, S. 30-34.

  • Tamme, Oliver (2013): Vermehrt Hochwasser durch den Klimawandel? In: Wege für eine Bäuerliche Zukunft. ÖBV-Via-Campesina Nr. 4/2013

  • Tamme, Oliver (2013): Auswirkungen des Klimawandels auf die Almwirtschaft – Wechselwirkung mit nutzungsbedingten Veränderungen der Bewirtschaftung. 3 Seiten, In: Der Alm- und Bergbauer Ausgabe 6-7/13

  • Tamme, Oliver (2013): Auswirkungen des Klimawandels auf das österreichische Berggebiet. In: Ländlicher Raum- Online-Fachzeitschrift des BMLFUW Ausgabe 03/2013, 14 Seiten URL.: http://www.lebensministerium.at/land/laendl_entwicklung/Online-Fachzeitschrift-Laendlicher-Raum/Klimawandel.html

  • Tamme, Oliver (2012): Klimawandel im österreichischen Berggebiet. Forschungsbericht Nr. 65, Bundesanstalt für Bergbauernfragen, Wien, Juni 2012

  • Tamme, Oliver (2012): Auswirkungen des Klimawandels. In: Wege für eine bäuerliche Zukunft. Zeitschrift der ÖBV-Via Campesina. 35. Jahrgang. Nr. 324. S.8-10.

  • Tamme, Oliver (2010): „Regionale Lage des Betriebes – Indikatoren für den Berghöfekataster“ Facts&Features Nr. 42, Bundesanstalt für Bergbauernfragen, Wien, Juli 2010, 48 Seiten

  • Tamme, Oliver (2009): “Wenn der Postfuchs nicht mehr winkt” – Daseinsvorsorge auf dem Land am Beispiel der Postfilialnetze in Deutschland, Österreich und der Schweiz. In: Agrarbündnis e.V. (Hrsg.): Der kritische Agrarbericht 2009. Kassel-Rheda-Wiedenbrück-Bonn, Januar 2009, 4 Seiten.

  • Groier, M./Hovorka, G./Loibl, E./Oedl-Wieser, T./Tamme, O. (gem. mit BA für Agrarwirtschaft) (2009): Evaluierung der Landwirtschaftsförderung und der Praxis der Vorarlberger Landwirtschaft unter Berücksichtigung der gesetzlichen Vorgaben, Wien, November 2009, 340 Seiten

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  • Tamme, Oliver: Postversorgung auf dem Lande nach der Schließungswelle. In: Wege für eine bäuerliche Zukunft 3/2008, Wien 2008, S. 18 f.

  • Tamme, Oliver: Beitrag der vor- und nachgelagerten Bereiche der Land- und Forstwirtschaft zu Wertschöpfung und Beschäftigung in Österreich. In: Ländlicher Raum, Online Fachzeitung des BMLFUW, Mai 2008 (www.laendlicher-raum.at)

  • Tamme, Oliver: Auswirkungen des Postfilialenschwunds in Österreich. In: alpMedia Newsletter. Informationsdienst der CIPRA (http://www.cipra.org/alpmedia) blic Observer, Online-Fachzeitschrift für sozialwissenschaftliche Analysen und Regionalforschung (http://www.public-opinion.at/wordpress) 6. Jg./Nr. 49. Wien 2008

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