FF57: Ländlicher Raum 4.0 - Bestandsaufnahme und kritische Rezeption

FF 57
Die fortschreitende Verbreitung des Internets (Stichwort Digitalisierung) in fast allen Lebensbereichen ging in den vergangenen Jahren Hand in Hand mit einer rasanten technischen Entwicklung. Um die immer vielfältigeren und anspruchsvolleren Möglichkeiten des Internets (Video Streaming, Internethandel, home-office, cloud computing etc.) auch nutzen zu können, ist die Verfügbarkeit eines adäquaten Internetzugangs erforderlich. Als Synonym für einen leistungsfähigen, schnellen Zugang hat sich heute der Begriff „Breitbandanschluss“ durchgesetzt. Vor dem Hintergrund steigender Datenvolumen im IKT-Bereich sind stetig steigende Übertragungsraten (Bandbreite) unabdingbar.
Mit den Bedürfnissen der modernen Informationsgesellschaft steigen die Anforderungen an die Verfügbarkeit und Leistungsfähigkeit der Datennetze. Sowohl auf europäischer Ebene (Stichwort EU-Digitale Agenda) als auch national werden daher ambitionierte Ziele zur Verbesserung der Breitbandversorgung verfolgt.
Da der Ausbau des Breitbandnetzes regional in ganz unterschiedlicher Geschwindigkeit voranschreitet, wurde das Spektrum bestehender Stadt-Land-Disparitäten um eine Komponente, die „Breitbandversorgung“, erweitert. Besonders in peripher gelegenen und dünn besiedelten Gemeinden stellen die im Vergleich zu den dicht besiedelten Ballungsräumen höheren Investitionskosten pro Anschluss oft ein großes Hindernis für die Herstellung einer zeitgemäßen Infrastruktur dar und verzögern den Ausbau. Somit besteht die Gefahr einer Ausweitung der „digitalen Kluft“, einer zunehmenden Standortbenachteiligung der ländlichen Gemeinden gegenüber den Verdichtungsräumen der Zentralräume.
Dabei ist gerade für den ländlichen Raum eine leistungsfähige Anbindung an die Web-Infrastruktur wichtig, um eine Verschärfung regionaler Disparitäten zu vermeiden und gleichwertige Lebensbedingungen in allen Teilräumen zu gewährleisten bzw. der Breitbandausbau ist ein wichtiges Instrument der sozioökonomischen Kohäsion bzw. des territorialen Zusammenhalts (vgl. EU-Diktion). So kann der Ausbau einer leistungsfähigen Breitbandversorgung besonders abgelegenen Räumen Chancen eröffnen vorhandene Erreichbarkeitsdefizite zu kompensieren. Auch im Hinblick auf die Konsequenzen der demographischen Herausforderungen, der Abwanderung in vielen strukturschwachen, ländlichen Regionen, werden an digitale Konzepte für kommunale Infrastrukturen etwa im Gesundheitsbereich, der Nahversorgung, Arbeiten von Zuhause, bei Behördenwegen hohe Erwartungen geknüpft. Das Internet bildet die Voraussetzung für eine Vielzahl neuer Möglichkeiten, um die Angebote der Daseinsvorsorge anders und besser zu organisieren.
Alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche des ländlichen Raums werden zunehmend vom digitalen Wandel erfasst. Für viele landwirtschaftliche Betriebe eröffnet der Zugang zum schnellen Internet neue Möglichkeiten zur Effizienzverbesserung in der Informationsbeschaffung, im Produktionsmanagement wie auch in der Vermarktung von Produkten und Dienstleistungen. Aber auch für die Sicherung von Arbeitsplätzen in der ländlichen Ökonomie, den vielen KMU-Betrieben und für den Erhalt der Attraktivität der Gemeinden und Dörfer als Wohnstandort hat der Anschluss an das Hochleistungs-Web mittlerweile ebenso große Bedeutung wie beispielsweise eine hochrangige Verkehrsanbindung.
Die Versorgung mit Breitband-Internet ist ein regionaler und kommunaler Standortfaktor von zunehmender Bedeutung. Die damit verbundenen Herausforderungen werden immer noch nicht ausreichend erkannt. Die Entwicklung der Hochgeschwindigkeitsnetze hat heute die gleiche revolutionäre Wirkung wie vor einem Jahr-hundert das Aufkommen der Strom- und Verkehrsnetze! Im Vergleich dazu steht die Verkehrsthematik viel stärker im öffentlichen Bewusstsein. Und es werden auch die damit verbundenen Kosten als selbstverständlich angesehen, während Investitionen in eine moderne Telekommunikationsinfrastruktur - die zu wesentlich geringeren Kosten herzustellen ist - zu wenig getätigt werden.
Eine gute Breitband-Infrastruktur kann die Entwicklung von Gemeinden maßgeblich unterstützen. Sie ist eine wichtige Voraussetzung für die Erhaltung und Ansiedelung von Betrieben, welche für ihre Abwicklung betrieblicher Abläufe und geschäftlicher Beziehungen schnelle Internetanbindungen einfordern. Eine steigende und oftmals hochfrequente Nachfrage erlebt das Web auch im Qualitätstourismus durch den modernen Gast.
Um den ländlichen Raum, die ländlichen Gemeinden als attraktiven Lebensraum für junge Menschen in einer wissensorientierten Gesellschaft zu erhalten, ist eine zeitgemäße Breitbandversorgung unabkömmlich. Nur so können Berufe ausgeübt werden, die von der weltweiten Vernetzung mit Kunden und Wissensressourcen abhängen. SchülerInnen benötigen für den Erwerb von digitalen Kompetenzen gute Netzanbindungen. Auch öffentliche Einrichtungen profitieren von schnellen Datenverbindungen. Gemeinden sind zunehmend durch E-Government-Anwendungen mit anderen Gebietskörperschaften (Land, Bund) vernetzt.
Nicht zuletzt ist der kompetente Umgang mit digitalen Technologien Voraussetzung, um all diese Möglichkeiten nutzen zu können. Digitale Kompetenzen müssen Bestandteil der schulischen und beruflichen Ausbildung sein. Auch ältere Menschen und Menschen mit eingeschränkter Mobilität sollen von der digitalen Welt und digitalen Diensten profitieren können.
Die Chancen der Digitalisierung für den ländlichen Raum nutzbar zu machen ist eine große Herausforderung. Der Breitbandausbau ist dabei eine notwendige, aber keineswegs hinreichende Voraussetzung.

weiterführende Literatur

  • Tamme, Oliver (2015) Mobilität im ländlichen Raum. In: Ländlicher Raum – online-Zeitschrift des BMLFUW, 10 Seiten.

  • Oedl-Wieser, Theresia, Rossier, Ruth und Otomo, Yukiko (2015) Frauen in der Landwirtschaft – Wissenschaftskooperation und Erfahrungsaustausch mit Japan. In: Ländlicher Raum – online-Zeitschrift des BMLFUW. 20 Seiten.

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  • Groier, Michael (2014) Konventionalisierungsrisiken in der österreichischen Biolandwirtschaft. In Ländlicher Raum. Online Fachzeitschrift des BMLFUW, Wien.

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  • Gmeiner, Philipp und Hovorka, Gerhard (2014) Die Ex-ante Evaluierung der Programms Ländliche Entwicklung am Beispiel der Ausgleichszulage. In Ländlicher Raum Online-Fachzeitschrift des BMLFUW. September 2014 http://www.bmlfuw.gv.at/land/laendl_entwicklung/Online-Fachzeitschrift-Laendlicher-Raum/Ausgleichszulage.html

  • Dax, Thomas, Hovorka, Gerhard (2013): Multifunktionale Landwirtschaft in der Region Pinzgau/Pongau. Ausgewählte Ergebnisse des EU-Projekts TOP-MARD. In: Ländlicher Raum, Online Fachzeitschrift des BMLFUW, Ausgabe 02/2013. Wien, 10 Seiten

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  • Groier, Michael (2011): Die neue Almstatistik. In: Ländlicher Raum, Dez. 2011

  • Groier, Michael (2011): Wohin fließen die ÖPUL-Gelder? In: Ländlicher Raum. (Dez. 2011)

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  • Hovorka, Gerhard (2011): Die Reform der Agrarpolitik der EU aus Sicht der Berggebiete. In: Ländlicher Raum – Online-Zeitschrift des Lebensministeriums, Jänner 2011, 12 Seiten. www.laendlicher-raum.at

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  • Tamme, Oliver: Wenn der Postfuchs nicht mehr winkt. Postversorgung auf dem Lande nach der Schließungswelle. In: Ländlicher Raum, Online-Fachzeitung des BMLFUW, Wien 2008 (www.laendlicher-raum.at)

  • Tamme, Oliver: Beitrag der vor- und nachgelagerten Bereiche der Land- und Forstwirtschaft zu Wertschöpfung und Beschäftigung in Österreich. In: Ländlicher Raum, Online Fachzeitung des BMLFUW, Mai 2008 (www.laendlicher-raum.at)

  • Machold, I./ Tamme, O.: Versorgung gefährdet? Soziale und wirtschaftliche Infrastrukturentwicklung im ländlichen Raum, in: Ländlicher Raum, Online-Fachzeitschrift des BMLFUW Nr. 1/2005 (www.laendlicher-raum.at)

  • TAMME, O., Bacher, L., DAX, Th., HOVORKA, G., KRAMMER, J. und Wirth, M.: „Der Neue Berghöfekataster – Ein betriebsindividuelles Erschwernisfeststellungssystem in Österreich“, in: Ländlicher Raum, Online-Fachzeitschrift des BMLFUW, Ausgabe 1-2/2003, Wien 2003, www.laendlicher-raum.at

  • TAMME, Oliver: „Beschäftigungseffekte der forstlichen Förderungen“, in: Ländlicher Raum, Online-Fachzeitschrift des BMLFUW, Ausgabe 2/2001, Wien 2001