BF147/15: Masterplan ländlicher Raum - Analyse und Vorbereitung der Umsetzung

Das Projekt, das durch den Studien-Koordinator ÖAR gemeinsam mit den Partnern des Projektkonsortiums erstellt wurde, wurde im Juni 2016 abgeschlossen. Das Projekt wurde im Auftrag der Burgenländischen Landesregierung in enger Kooperation mit den betroffenen Verantwortlichen in der Verwaltung und unter aktiver Beteiligung lokaler AkteurInnen in allen Regionen des Bundeslandes durchgeführt.


Hintergrund und Zielsetzung
Das Land Burgenland hat das Projektkonsortium (ÖAR Regionalberatung GmbH; Österreichisches Institut für Raumplanung – ÖIR; Zentrum für Soziale Innovation – ZSI und Bundesanstalt für Bergbauerngagen – BABF) im Sommer 2015 mit der Erstellung eines „Masterplans für den ländlichen Raum“ des Burgenlandes beauftragt, der wesentliche Stärken, Schwächen sowie Entwicklungsmöglichkeiten für die ländlichen Gebiete des Burgenlandes erfassen sollte. Mit dieser Analyse sollten nicht nur die Potenziale des ländlichen Raumes umfassend aufgezeigt werden, sondern im Zuge der Prozessbegleitung die Bewusstseinsarbeit und Aktivierung der lokalen Bevölkerung unterstützt werden, um eine stärkere Ausrichtung der Aktivitäten des Bundeslandes Burgenland auf zukünftige Entwicklungserfordernisse einzuleiten. Da die Entwicklung des ländlichen Raumes nicht nur über die Förderungen des Österreichischen Programms für ländliche Entwicklung (LE 14-20) zu erfüllen ist, wurde eine Strategie erarbeitet, welche auch die Aktivitäten anderer Politikbereiche miteinbezieht. Dabei war es wichtig, der Heterogenität des Burgenlandes, seiner Standortfaktoren und seiner Potenziale durch eine starke regionale Ausrichtung in der Projektumsetzung Rechnung zu tragen. Durch die raumspezifische Analyse des Entwicklungsbedarfes und die Diskussion von Entwicklungsoptionen in allen politischen Bezirken des Bundeslandes und durch ergänzende Start-/Abschluss- sowie thematische Workshops – insgesamt wurden 10 Workshops organisiert – mit Stakeholdern und AkteurInnen vor Ort, wurde ein weites Spektrum an Problemen und Möglichkeiten für die Entwicklung des ländlichen Raumes im Burgenland sichtbar.


Hauptergebnisse
Den Rahmen des Masterplans bilden drei Themenbereiche, die in der Eingangsphase aus der Synthese von bereits früher für das Land Burgenland (oder Teilgebiete) erarbeiteten Strategiedokumenten und Entwicklungskonzepten aus den Bereichen Raumplanung, Natur- und Umweltschutz, Tourismus, Landwirtschaft und Soziales entwickelt worden waren.
Der Themenbereich Natur & Wertschöpfung baut auf dem Potenzial der Natur auf, das vielfach bereits als besondere Stärke in burgenländischen Strategien verankert ist. Neben einem sorgsamen Umgang mit dieser Ressource soll die Kombination mit Aspekten der Wertschöpfung neue Wege aufzeigen, die natürlichen Ressourcen wirtschaftlich stärker zu valorisieren bzw. als langfristige „Ressource“ zu sichern.
Im Themenbereich Region & Wertschöpfung werden Entwicklungsmöglichkeiten zusammengefasst, die die regionalen Wirtschaftskreisläufe stärken und ausbauen sollen. Dabei steht die landwirtschaftliche Produktion als wichtiges Element für die Versorgungsfunktion ebenso im Blickpunkt wie auch die Sachgütererzeugung und der Dienstleistungsbereich. Vor allem war es wichtig, Verbindungen innerhalb der Sektoren, Vernetzungen über die Sektoren hinweg, neue Märkte und die Wirkungsweise von Wertschöpfungsketten sichtbar zu machen.
Der Themenbereich Sozialer Wandel & Chancengleichheit nimmt Bezug auf aktuelle gesellschaftliche Veränderungen wie demographischer Wandel, die Herausforderungen der Dorfentwicklung und des sozialen Miteinanders. Daneben wird in diesem Themenbereich ein Blick auf die Chancengleichheit unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen geworfen, wobei das Hauptaugenmerk auf die Situation und Entwicklungsinitiativen von Frauen und Jugendlichen in Bildung und Beruf, aber auch in der Beteiligung im öffentlichen Leben gelegt wird.
Jeder der drei Themenbereiche umfasst für sich wieder je drei strategische Initiativen, die die Entwicklungsrichtungen im Themenfeld näher beschreiben. Viele BurgenländerInnen haben im Zuge des Masterplan-Prozesses die insgesamt neun strategischen Initiativen diskutiert, neue Ideen hinzugefügt, die Überlegungen möglicher Initiativen präzisiert und für die praktische Umsetzung konkrete Ideen und Projektvorschläge eingebracht.
Der „Masterplan Land und Leben“, der zu Projektstart als vertiefende Analyse mit starker Einbindung der AkteurInnen vor Ort gesehen wurde, hat sich in seiner Umsetzung mehr und mehr in ein wirkungsvolles Instrument zur Ideenfindung und Gestaltung des ländlichen Raums im Burgenland entwickelt. Die Offenheit und die Kooperationsbereitschaft aller Beteiligten (Land Burgenland, Agrarabteilung, Interessensvertretungen, ExpertInnen und AkteurInnen vor Ort) während des Prozess hat dazu geführt, dass eine große Zahl an kreativen und vielversprechenden Ideen eingebracht wurde, an deren Umsetzung bereits gearbeitet wird. Das Land Burgenland bietet finanzielle Unterstützung und ExpertInnenberatungen dafür an. Damit wird der "bottom-up" Ansatz des Masterplans abgerundet. Der Masterplan kann als Beispiel dafür gesehen werden, wie moderne Governance Prozesse – in Partnerschaft zwischen Landesregierung, Beteiligung von ExpertInnen und Bevölkerung – gestaltet werden können.


„Das Ende als Anfang“ - ein Prozess als Instrument für Entwicklung:
Die zukünftige Entwicklung des ländlichen Burgenlandes wird nicht zuletzt davon abhängen, wie gut es gelingen wird, diesen mit der Projektbegleitung und den im abschließenden „Masterplan“ zusammengefassten Projekt- und Verfahrensideen nun angestoßenen Prozess weiter aktiv zu unterstützen, zu begleiten und gewissermaßen zu "institutionalisieren". Wenn es gelingt, die Offenheit gegenüber neuen Ideen und den damit immer wieder verbundenen strukturellen Veränderungsprozessen zuzulassen, dann bietet der Masterplan "Land & Leben" sehr viel Potential für verstärkte Aktivitäten und effektive Umsetzung im ländlichen Raum des Burgenlandes.


Literatur
Fischer Michael, Asamer-Handler Marelli, Baumfeld Leo, Handler Franz, Mollay Ursula, Michalek Wolfgang, Dax Thomas und Oedl-Wieser Theresia (2016) Masterplan „Land und Leben“ Prozessdokumentation. Studie im Auftrag der Burgenländischen Landesregierung. Wien, Graz, Hartberg. http://www.landundleben.at/termine-und-dokumentationen.html

Projekt
abgeschlossen

weiterführende Literatur

  • Machold, Ingrid, Dax, Thomas und Oedl-Wieser, Theresia (2016) Welcoming communities: a means to recognize the potential of immigrants in rural regions of Austria. In: online-Proceedings, XXVI European Society for Rural Sociology Congress “Places of possibility” rural Society in a Neoliberal World. 18-21.8.2015. Aberdeen. Scotland.

  • Oedl-Wieser, Theresia, Schmitt, Mathilde (2016) Rurale Frauen- und Geschlechterforschung im ländlichen Raum – Verortung und Entgrenzung eines Forschungsfeldes. In Universität Innsbruck Proceedings zum ÖGS Kongress 2015. Innsbruck. 12 Seiten.

  • Dax, T., Fidlschuster, L., Fischer, M., Hiess, H., Oedl-Wieser, T. and Pfefferkorn, W. (2016) Regionen mit Bevölkerungsrückgang, Experten-Impulspapier zu regional- und raumordnungspolitischen Entwicklungs- und Anpassungsstrategien, Analyse und strategische Orientierungen, Wien: Bundeskanzleramt, 13S.

  • Dax, T., Fidlschuster, L., Fischer, M., Hiess, H., Oedl-Wieser, T. and Pfefferkorn, W. (2016) Regionen mit Bevölkerungsrückgang, Experten-Impulspapier zu regional- und raumordnungspolitischen Entwicklungs- und Anpassungsstrategien, Analyse und strategische Orientierungen, Endbericht, Wien: Bundeskanzleramt, 95S.

  • Oedl-Wieser, Theresia (2015) Framing Gender Equality in the Regional Development Discourse – only Rhetoric Modernisation? Experiences from Austria. In K. Wiest (ed.) Women and Migration in rural Europe: Labour markets, representations and policies. London: Palgrave.

  • Oedl-Wieser Theresia (2015) Die Bedeutung von LEADER in Österreich aus der Sicht von lokalen AkteurInnen. In Journal of Socio-economis in Agriculture. 2/2015

  • Schmitt, Mathilde, Seiser, Gertraud und Oedl-Wieser, Theresia (2015) Das Ländliche und die Land-Frauen: Sozialwissenschaftliche De_Re-Konstruktionen. In SWS-Rundschau. Heft 3/2015. S. 335-355.

  • Oedl-Wieser, Theresia, Hovorka, Gerhard und Dax, Thomas (2015) Evaluierung ‚unlimited‘ – Erfahrungen aus der Ex-ante-Bewertung des Programms Ländliche Entwicklung 2014-2020 in Österreich. Poster für die SGA-Tagung „Ziele der Agrarpolitik“ von 16.-17.4.2015, Bellinzona, Schweiz.

  • Machold, Ingrid, Dax, Thomas und Oedl-Wieser, Theresia (2015) \\\"Welcoming communities\\\" as incentives for rural development. Recognizing the potential of immigrants in two remote regions of Austria. Paper presented in Working Group 8 „Migration and rural social change“ at the XXVI ESRS Congress, 18-21.8.2015, Aberdeen, Scotland.

  • Oedl-Wieser, Theresia, Dax, Thomas und Machold, Ingrid (2015) Social diversity in Austria’s LEADER strategies: prerequisite for and trigger of social innovation. Paper presented in Working Group 15 „Social capital, learning processes and social innovation in rural areas“ at the XXVI ESRS Congress, 18-21 2015, Aberdeen, Scotland.

  • Oedl-Wieser, Theresia und Machold, Ingrid (2015) „Gender“ and „Diversity“ als bedeutende endogene Ressourcen für die regionale Entwicklung – dargestellt am Beispiel von LEADER. Poster für die Tagung „Vielfalt, Diversifizierung, (Ent)Solidarisierung in der organisationalen Diversitätsforschung: Eine Standortbestimmung im deutschen Sprachraum“, 25.-26. Juni 2015, Universität der Bundeswehr, Hamburg.

  • Dax, T. and Oedl-Wieser, T. (2015) Rural innovation activities as a means for changing development perspectives. An assessment of promoting LEADER initiatives since more than two decades. Session 46: Territorial development in Europe: innovation and local governance in rural development programmes. Paper at the Conference EUGEO 2015 “Convergences and Divergences of Geography in Europe”, 30 August – 2 September 2015, Budapest.

  • Fidlschuster, Luis, Dax, Thomas und Oedl-Wieser, Theresia (2015) Demografischer Wandel, Diversität und Entwicklungsfähigkeit ländlicher Regionen. In: R. Egger und A. Posch (Hrsg.): Lebensentwürfe im ländlichen Raum. Ein prekärer Zusammenhang? Wiesbaden: Springer. S. 7-28.

  • Oedl-Wieser, Theresia, Rossier, Ruth und Otomo, Yukiko (2015) Frauen in der Landwirtschaft – Wissenschaftskooperation und Erfahrungsaustausch mit Japan. In: Ländlicher Raum – online-Zeitschrift des BMLFUW. 20 Seiten.

  • Dax, Thomas/Strahl, Wibke und Oedl-Wieser, Theresia (2014) Leader im Spannungsfeld von Innovation und Administration. In Ländlicher Raum Online-Fachzeitschrift des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, Wien, Ausgabe 01/2014, 17S. http://www.lebensministerium.at/dms/lmat/land/laendl_entwicklung/Online-Fachzeitschrift-Laendlicher-Raum/Leader_Dax/05_Dax_Strahl__Oedl-Wieser_Leader.pdf

  • Oedl-Wieser, Theresia (2014) Ausgleichszulage und Integration gewährleisten. In: ausblicke

  • Dax, Thomas/Oedl-Wieser, Theresia and Strahl-Naderer, Wibke (2014) Altering the Evaluation Design for Rural Policies. In: European Structural and Investment Funds Journal (EStIF). 2(2). 141-152.

  • Dax Thomas and Oedl-Wieser Theresia (2010): Periphere ländliche Regionen im Brennpunkt – der ländliche Raum zwischen Dynamik und Entleerung. In: Ländlicher Raum, Online-Fachzeitschrift des BMLFUW, Wien, Dezember 2010, 17 S.

  • OEDL-WIESER, Theresia: „Die Integration von Gleichstellung in die regionale Entwicklung Österreichs – notwendige Strategie oder lästiges Übel“ in: Ländlicher Raum, Online-Fachzeitschrift des BMLFUW, Ausgabe 6/2003, Wien 2003, www.laendlicher-raum.at

  • Oedl-Wieser, Theresia (1995): Frauen als Akteurinnen und innovatives Potenzial auf dem Land. Erkenntnisse aus einem internationalen Forschungsprojekt. In: Land&Raum. Mitteilungen des Arbeitskreises Ländlicher Raum des Österreichischen Kuratoriums für Landtechnik und Landentwicklung. Wien. 7-11.