Rezension des Buches "Schafe in Tirol"

 

(Th. Stoffaneller, S. Schaber, Tyrolia Verlag, 2016 Innsbruck)
Michael Groier, Dezember 2015

Das programmatisch in einen weißen Filzumschlag gehüllte Buch Schafe in Tirol konfrontiert die LeserInnen mit dem Thema der Schafhaltung in Tirols Bergen. Wie schon im Buch „Almen in Österreich“ liefert auch hier die Essayistin Susanne Schaber den stimmigen und informativen Text zu diesem Fotoband. Die analogen Schwarzweißbilder von Thomas Stoffaneller fangen das Thema in beeindruckender Klarheit und Präzession ein und vermitteln den LeserInnen eindringliche Bilder und Stimmungen dieses teils archaisch anmutenden Zusammenlebens von Mensch und Tier in der Tiroler Bergwelt.
Verschiedene Themen rund um die Schafhaltung im Berggebiet - wie z.B. der Länder übergreifende Schaftrieb zwischen Süd- und Nordtirol, die Milchschafhaltung und Schafkäseproduktion, die Erzeugung von Qualitätslammfleisch sowie die Verarbeitung und Vermarktung der Schafwolle - werden anhand von konkreten Beispielen und interessanten Persönlichkeiten abgehandelt. Wie in vielen anderen Publikationen werden auch hier wieder die bekannten Akteure in diesem Bereich - angefangen vom prähistorischen Ötzi, dem Mann im Eis und vermeintlichen Schafhirten, über den Kulturwissenschaftler Hans Haid sowie dem Osttiroler Schafpionier Josef Schett - zur Veranschaulichung der Thematik bemüht. Auch der berühmte Schaftrieb vom Südtiroler Schnalstal über das Nieder- und Hochjoch ins hintere Ötztal fand wieder Berücksichtigung.

 Weniger oft beschriebene, aber sehr interessante Aktivitäten rund um das Schaf wie der im Generationswechsel realisierte Umstieg von der Milchkuhhaltung zur ebenfalls arbeitsintensiven, bei entsprechender Verarbeitung und Vermarktung aber produktiveren Milchschafhaltung sowie die Verwertung der anfallenden Schafwolle im Ötztaler Schafwollzentrum zeugen von der Nutzungsvielfalt dieses alten Haustieres.
Abgerundet werden die Ausführungen von kulturgeschichtlichen Betrachtungen rund um die vielfältigen Eigenschaften und die Symbolkraft des Schafes/Widders in Mythologien und Religionen, in Astrologie und Sprache (Sündenbock, Neidhammel) sowie im teilweise noch lebendigen Brauchtum.


Auch wenn die Kleintierhaltung im Gegensatz zur Rinderhaltung früher eine Wirtschaftsform der Kleinbauern- und Keuschler war und geringes Sozialprestige verhieß, hat die Schafhaltung und Lammfleischproduktion in den letzten Jahrzehnten im Rahmen innovativer Vermarktungsprojekte und dem Trend zu naturnahe erzeugten regionalen Lebensmittel sowohl für die BäuerInnen als auch die KonsumentInnen merklich an Bedeutung gewonnen.


Was bleibt: ein interessant gestaltetes Buch für LeserInnen, die an fotografisch und sprachlich gut aufbereiteten Geschichten, Hintergründen und Eindrücken rund um Mensch und Schaf im Berggebiet interessiert sind.

Keywords

Almwirtschaft

weiterführende Literatur

  • Groier, Michael (2015) Familiy Farming in Austria. www.fao.org

  • Groier Michael (2015) Konventionalisierungsrisiken in der österreichischen Biolandwirtschaft. In: land&raum 1/2015 (ÖKL) Mai 2015.

  • Groier Michael (2015) Biolandwirtschaft am Scheideweg? In UGB-forum. Fachzeitschrift für Gesundheitsförderung. 4/2015

  • Groier, Michael (2015) Entwicklung des agrarischen Umweltprogrammes ÖPUL. Fact Sheet Nr. 11 der BA für Bergbauernfragen. Wien.

  • Groier, Michael (2014) Konventionalisierungsrisiken in der österreichischen Biolandwirtschaft. In Ländlicher Raum. Online Fachzeitschrift des BMLFUW, Wien.

  • Groier, Michael (2014) Wird bio konventionell? In Wege für eine bäuerliche Zukunft Zeitschrift der ÖBV - Via Campesina Austria: Nr. 331, Nr. 1/2014.

  • Groier, Michael (2014) Konventionalisierungsrisiken in der österreichischen Biolandwirtschaft. In Der Alm- und Bergbauer 5/14. S. 11-13.

  • Groier, Michael (2013): Kennzeichnung von Bergprodukten. Zusatznutzen oder Marke-tingstrategie. Teil 2. In: Der Alm- und Bergbauer Nr. 4/13

  • Groier Michael (2013): Konventionalisierungsrisiken in der österreichischen Biolandwirtschaft. Fact Sheet Nr. 8 der BA für Bergbauerfragen. Wien

  • Groier, Michael (2013): Kennzeichnung von Bergprodukten. Zusatznutzen oder Marketingstrategie. Teil 1. In: Der Alm- und Bergbauer Nr. 3/13

  • Groier, Michael (2013): Kennzeichnung von Bergprodukten. Zusatznutzen oder Marketingstrategie. Teil 3. In: Der Alm- und Bergbauer Nr. 5/13

  • Groier, Michael (2013): Perspektiven für Bergerzeugnisse. In: Der Alm- und Bergbauer Nr. 6-7/13

  • Groier Michael (2013): Entwicklung und Struktur des Biolandbaus in Österreich. Fact Sheet Nr. 7 der BA für Bergbauernfragen. Wien

  • Groier Michael (2013): Biostruktur und –entwicklung in Österreich. FactSheet Nr. 6 der BA für Bergbauernfragen. Dezember 2013, Wien

  • Tamme, Oliver (2013): Auswirkungen des Klimawandels auf die Almwirtschaft – Wechselwirkung mit nutzungsbedingten Veränderungen der Bewirtschaftung. 3 Seiten, In: Der Alm- und Bergbauer Ausgabe 6-7/13

  • Groier Michael (2013): Biolandbau international. Fact Sheet Nr. 6 der BA für Bergbauernfragen. Wien

  • Groier M., Gmeiner, Ph. Hofer O.; Göltl F., Astl K., Resel R., Reisenberger R. Winterer S., Schätzner M., Maier Ch.-E. (2010): Almstatistik 2009 – Zahlen und Fakten zur österreichischen Almwirtschaft“. Facts&Features Nr. 43, Bundesanstalt für Bergbauernfragen und BMLFUW, Wien, September 2010

  • Groier Michael: Die neue Almstatistik 2009 – Daten und Fakten zur österreichischen Almwirtschaft. In: Der Alm- und Bergbauer (Heft Oktober /November 2010)

  • GROIER, Michael: „Almwirtschaft in Österreich“ als Beitrag zum Buch „Austria’s Society and Regions“ (Prof. Lichtenberger)

  • Groier, Michael (1993): Bergraum in Bewegung: Almwirtschaft und Fremdenverkehr. Forschungsbericht Nr. 31 der Bundesanstalt für Bergbauernfragen. Wien. 262 Seiten.


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